Sprache ist mehr als nur Worte

Im Dialog und in Beziehung sein

Was Sagt die Sprache über uns aus?
und was ist so ausschlaggebend, dass unsere Kinder uns hören?


                „In der Sprache liegt die Kraft.“
      ( Mechtild Scheuerl von Detersdor, Sprachwissenschaftlerin, Autorin und Mentorin )

 

Unsere Sprache spiegelt unsere Haltung wider. Sie ist ein Teil unseres Ausdrucks. Genauso wie unsere Körpersprache gibt sie Auskunft über unsere innersten Empfindungen und Überzeugungen. Sie verrät Unsicherheiten, Unbewusstes, Verheimlichungen und Ängste.

Benutzen wir Sprache als Methode, um unsere Kinder zum Hören zu bringen, wird es nur temporär gelingen, sie damit zu erreichen. Denn dann geht es uns darum, unsere Kinder wie eine Maschine zum „richtigen“ Funktionieren zu bringen. Manipulation durch Methode. Eine Objektivierung des Kindes. 

Wir beeinflussen uns immer gegenseitig. Doch sollte Einfluss offen und ehrlich sein. Manipulation hingegen spielt mit der bewussten Hintergehung des anderen, ihm das zu entlocken, was er freiwillig nicht geben mag und kann. Wir arbeiten dann mit seinem Unbewussten, seinen Emotionen – auch emotionale Erpressung genannt. Das ist auch eine Form des Machtmissbrauchs.

Kinder hören uns besser, wenn sie als Subjekte von Subjekten angesprochen werden

Entspricht unsere Sprache unserer Haltung, werden wir durch sie als Individuum sichtbar. Wir sind in unserer Authentizität, Integrität und unserer natürlichen Autorität. Somit sind wir in uns selbst anwesend und klar und das Kind hat ein spürbares Selbst als Gegenüber – und keine Rolle oder einen Spielleiter.
Mit diesem kann es in Beziehung gehen und kooperieren.

Kinder wollen wertvoll sein für ihr Umfeld. Nur dafür brauchen sie reale und authentische Menschen, welche ihnen vertrauen und mit ihnen in Beziehung gehen. Und sie als Subjekte ernst- und wahrnehmen. 


Sprache formt Haltung

Wir können unsere Haltung ändern und unsere Sprache wird folgen. 

Doch auch eine bewusst gewählte Sprache formt unsere Haltung. 

Es macht einen wesentlichen Unterschied, ob ich von „man“ spreche oder von „Ich“ und somit von mir selber. 

Probiert es ruhig mal aus. Was macht „man“ so zum Beispiel nicht alles? 

Und ist das immer noch so, wenn wir ein „Ich“ dafür einsetzen? 

Wir benutzen ein „man“ vor allem, wenn wir uns unsicher sind und die Verantwortung an das Außen, die Gemeinschaft oder die Gesellschaft abgeben wollen. Oder auch, wenn wir uns Unterstützung für unser Unterfangen holen wollen. 

Auch das ist Manipulation vom Feinsten. „Man“, die Gesellschaft, die Gemeinschaft macht das so. Und wenn du nicht mitziehst, grenzt du dich selber aus, bzw. wirst ausgegrenzt – dann passt du nicht mehr, bist unpassend = subtile Androhung von Ausschluss = existenzbedrohend, gerade für ein Kind. Oder auch, wenn eine Mehrheit das für richtig erachtet, muss es das Richtige sein. Was nicht nur Humbug ist, sondern sogar gefährlich, da wir Kindern so beibringen, Dinge nicht mehr zu hinterfragen, sobald sie gesellschaftlich etabliert sind. 

Um herauszufinden, ob hinter dem „man“ auch wirklich deine Werte liegen, kannst du immer ein „Ich“ einsetzen und du wirst spüren können, wie dein Inneres, deine innere Haltung, darauf reagiert. Kannst du auf dem „Ich“ alleine stehen oder brauchst du die Gemeinschaft der Gesellschaft als Stütze? 

Ist das zweite der Fall, dann kannst du sicher sein, dass es sich nicht um deine eigene, innere Haltung handelt, sondern um von außen angelernte, anerzogene Normen, die du angenommen hast, um deinerseits ebenfalls nicht ausgeschlossen zu werden. Dein Selbstwert begründet sich dann mit großer Wahrscheinlichkeit auf „richtigem“, gesellschaftskonformen Verhalten und es fällt dir schwer, zu deinen ganz persönlichen Werten und Wahrheiten zu stehen. 


Resonanz bzw. Stimmigkeit

Wenn ein Wort auf Resonanz in unserem Inneren trifft, also ein Gefühl von Stimmigkeit erzeugt, können wir sicher sein, dass das, was wir sagen, mit unseren innersten Werten übereinstimmt. Wir sind dann zum einen authentisch und zum anderen im Einklang mit unserer Integrität. Dadurch werden wir transparent für andere. Durch diese Klarheit weiß das Kind, mit wem es zu tun hat. Die Botschaft, die wir nun aussenden, ist eindeutig. Das Kind weiß ganz genau, was wir von ihm wollen.

 

Kinder sind wie Spürhunde

Sie spüren alle unsere unbewussten Anteile und die davon ausgehenden Emotionen. Sie kooperieren mit diesen, wenn das Gesagte nicht damit übereinstimmt. 

Wenn ein Erwachsener also morgens zur Eile drängt und innerlich angespannt, gestresst ist und lieber zu Hause bleiben würde, als zur Arbeit zu gehen, dann spürt ein Kind das auf und sorgt für Innehalten, um Ruhe zu erzeugen, indem es zum Beispiel langsam macht oder sich ganz verweigert. Es sagt damit: „Mama/Papa, nimm den Druck raus, mach langsam, halte inne, bleib zu Hause, wenn du nicht zur Arbeit willst. Du brauchst jetzt vor allem Ruhe.“ 


Innehalten und Klarheit schaffen

Wenn die Dinge anders laufen, als wir wollen, macht es Sinn, innezuhalten:

• Was fühle, denke ich?

• Ist das im Einklang mit meinen Worten und Werten?

• Wer bin ich im jeweiligen Moment und will ich das überhaupt sein? 

• Was brauche ich, um eine Haltung einzunehmen, die mich trägt und stärkt?

• Und welche Worte repräsentieren diese? 

• Sind es die Worte und Satzbauten, welche ich benutze?

• Was sagt die Sprache über mich aus?

Sprache ist mehr als nur Worte!

 

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