Wie können wir unsere Kinder gut durch diese besondere Zeit begleiten?

 

Bedürfnisse und Emotionen wollen gehört, verstanden und gehalten werden.

Gerade unsere Kinder haben ein feines Gespür, was um sie herum geschieht.

Sie spüren, was wir Eltern fühlen, und vermissen ihre Freunde und das Spiel mit ihnen im Freien.

Auch wenn sie unsere Worte hören und selbst wenn Sie sie inhaltlich verstehen, bestehen ihre Bedürfnisse dennoch fort.

Was sie jetzt gerade besonders brauchen, ist in ihren unerfüllten Bedürfnissen und den daraus entstehenden, sich immer mehr aufstauenden Emotionen angenommen zu werden.

Weniger Erklärungen und mehr zuhören, hinhören, Annahme und Ausdruck tut hier gut. 

Was steckt hinter dem Verhalten?

Welches Bedürfnis?

Welche Emotionen?

Oft sind wir getriggert durch die Aussagen unserer Kinder und sind darum bemüht, ihnen unsere Sicht klar zu machen: „Ja aber…“ oder wir wollen sie beruhigen: „Hab keine Angst!“ 

Oder wir stellen das Gesagte komplett in Abrede: „Stell dich nicht so an.“ 

Doch genau das bewirkt, dass sich ihr momentanes Empfinden eher verstärkt, und es kommt noch hinzu, dass sie sich durch uns unverstanden und abgelehnt fühlen. 

Auch sie einfach nur abzulenken, verschiebt das eigentliche Problem nur und staut das unerfüllte Bedürfnis auf. 

Was ist zu tun?

Das Kind sagen lassen, was es denkt, ohne es zu bewerten und die eigene Meinung dagegen zu stellen: 

Kind:

„Ich will aber meinen Freund sehen.“ 

Erwachsener:

„Das verstehe ich. Du vermisst es wohl sehr mit ihm zu spielen.“

Kind:

„Ja, ich finde es saudoof, dass ich nicht mit ihm spielen darf. Man kann gar nichts mehr machen. Nicht mehr auf den Spielplatz, kein Fußball spielen, gar nichts mehr.“ 

Erwachsener:

„Das tut mir soo leid, ich sehe, wie dich das frustriert.“

Kind (grummelt):

 „Ja, und es macht mich total wütend.“ Es boxt gegen ein Kissen. „Ich bin soo wütend, dieser blöde, blöde, scheiß Virus.“

Erwachsener: 

„Ja, das kann einen echt wütend machen. Kann ich irgendetwas tun, damit du dich damit besser fühlst?“

Kind kommt und kuschelt sich an den Erwachsenen. 

„Darf ich was gucken?“

Erwachsener: 

„Du meinst, das würde dich ablenken?“

Kind: 

„Ja!“

Erwachsener:  

„Ich verstehe. Und ich finde, du hast heute schon genug geguckt. Mir ist es wichtig, dass wir etwas tun, was uns wirklich gut tut und das ist nicht fernsehen. Was meinst du, hast du eine Idee dazu?“

Kind (mault):

„Ich sag ja, alles was Spaß macht, darf ich nicht.“ Es schmollt, immer noch an den Erwachsenen gekuschelt  und immer noch grummelnd. „Vielleicht können wir ja einen Kuchen backen.“ 

Erwachsener: 

„Oh ja, was für eine gute Idee.“

Frust, Trauer und Wut wollen gehört, verstanden und gehalten werden. Sie dürfen sein und sollten nicht weggewischt oder unterdrückt werden. 

Eine weitere Möglichkeit für diejenigen, die sich das zutrauen, ist, ihr Kind durch eine Körperwahrnehmungsübung zu führen. 

Hierbei lernt das Kind gleich, wie es mit unangenehmen Emotionen umgehen kann, ohne sie zu unterdrücken und gleichzeitig in die Lösungsfindung zu gehen. 

Am besten, ihr probiert es einmal mit euch selbst aus, wie es wirkt und ob ihr gut damit zurecht kommt.

Erwachsener: 

„Magst du mir sagen, wo in deinem Körper du die Wut spürst?“

Kind: 

„Hier.“ Es zeigt auf seinen Bauch

Erwachsener: 

„Welche Form hat sie? Ist sie rund oder eckig oder ist es vielleicht eine Pflanze oder ein Tier?

Welche Farbe hat sie?“

Kind:

„Es ist ein großer roter Drache, der ganz viel Feuer speit.“ 

Erwachsener: 

„Kannst du dir vorstellen, dass du in deinem Bauch einen Raum entstehen lässt, den du so groß machen kannst, wie du willst? Und diesem Drachen so viel Raum gibst, wie er braucht, um sich wohl zu fühlen?“ 

Kind: 

„Ja, ein ganz großer Saal.“ 

Erwachsener: 

„Und nun beobachte den Drachen, schau ihm von außen zu. Was tut er in dem Raum?

Wie bewegt er sich? Macht er irgendwelche Geräusche? Oder ist er ganz still?“

Kind:

„Er tobt ganz wild und es tut mir im Bauch weh.“

Erwachsener: 

„Dann mach den Raum in dir noch größer.“ Er wartet einen Moment. :„Ist es jetzt besser?“

Kind:

„Ja, jetzt fühlt es sich leicht an.“

Erwachsener: 

„Sagt er vielleicht etwas? Vielleicht kannst Du ihn fragen, was wir tun können, damit es ihm besser geht, auch wenn du deine Freunde nicht treffen kannst?“ 

Kind:

„Er will ganz schnell ein Eis und dann mit Olli das neue Spiel über Skype spielen. Und vielleicht kann ich auch für Oma ein Bild malen, die ist ja jetzt soo allein, ich hab ja wenigstens noch dich!“

Es geht darum, die unangenehmen Emotionen nicht wegdrücken zu wollen, sondern sie als einen Teil, als etwas in uns anzuerkennen. In dem Moment, wo es uns gelingt zu erleben, dass wir nicht unsere Emotionen sind, sondern Emotionen haben, erleben wir sie zum einen als erträglich und können zum anderen in einen konstruktiven Austausch mit ihnen gehen. Denn jede Emotion hat auch eine Botschaft mit dem dahinter liegenden Bedürfnis und einer Lösung für uns parat. 

Wir können uns die Emotionen auch auf die Hand setzen. Dann sind sie außerhalb unseres Körpers und wir können so mit ihnen kommunizieren. 

Es bedarf natürlich etwas Übung, um mit unseren Emotionen in Kontakt zu kommen. Aber schon allein, dass ich mich mit meinen Emotionen nicht identifiziere, hilft mich auf die Lösung zu fokussieren. 

Emotionen kommt übrigens von Emotion, also Bewegung. Etwas will also bewegt werden. 

Schon allein durch den Raum in mir, den ich meinen Emotionen gebe, entsteht eine Veränderung, indem sich die Emotionen in diesem bewegen können. Sie werden dort gehört, gespürt und anerkannt. 

Mit etwas Übung ist das ein sehr wertvoller, heilsamer und angenehmer Prozess. 

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